Vorschau Konzerte in 2026
PARADISI GLORIA
Passionskonzert
J.S. Bach Kantate BWV 144 "Nimm, was dein ist und gehe hin"
Karl Jenkins 3 Motetten a capella: Pie Jesu - And the mother did weep - God shall wipe away all tears
G. B. Pergolesi STABAT MATER Bearbeitung für vierstimmigen Chor, Sopran- und Alt-Solo und Orchester von D. Ratcliffe
https://youtube.com/shorts/ZmYyA9dnpfU?feature=share
PARADISI GLORIA – Passionskonzert des Wasserburger Bach-Chores
Mit dem Passionskonzert am Palmsonntag, 29. März 2026 um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Michael in Attel lädt der Wasserburger Bach-Chor zu einer berührenden musikalischen Reise durch die Karwoche ein. Der Weg beginnt mit J. S. Bachs Kantate BWV 144 „Nimm, was dein ist und gehe hin“, die mit lautmalerischen Gesängen von Chor und Solisten den steinigen Weg von menschlicher Unzufriedenheit hin zu tiefem Gottvertrauen beschreibt.
Drei Motetten des Zeitgenossen K. Jenkins führen als tröstliche Klanginseln weiter zum Hauptwerk des Abends, das „Stabat Mater“ von G. B. Pergolesi – in der vierstimmigen Fassung von D. Ratcliffe für Sopran, Alt, Chor und Orchester. In eindringlicher Schlichtheit und großer Ausdruckskraft lässt uns der früh vollendete Komponist – er starb mit 26 Jahren - in seinem berühmten Meisterwerk teilhaben am Schmerz von Mutter Maria beim Kreuze stehend. Das Mitfühlen, Reflektieren und Annehmen dieses tiefen Schmerzes lässt am Ende des Weges die zuversichtliche Hoffnung aufkeimen, einst die Herrlichkeit des Paradieses zu erleben: PARADISI GLORIA.
Dienstag, 31. März 2026 OVB - GESAMT KULTUR
„Murre nicht, lieber Christ“
Musikalisch und theologisch stimmiges Passionskonzert des Wasserburger Bach-Chores
Foto: Werner Gartner
Attel – In der Pfarrkirche St. Michael im Kloster Attel, deren klare Akustik und ruhige Raumwirkung eine besondere Konzentration ermöglichen, entwickelte sich das Passionskonzert des Wasserburger Bach-Chors am Palmsonntag zu einem Abend von bemerkenswerter Dichte. Dass er so überzeugte, lag nicht an vordergründiger Ergriffenheit, sondern daran, dass hier an mehreren entscheidenden Stellen heikle interpretatorische Balanceakte gelangen. Angelica Heder-Loosli, die den Chor seit Jahrzehnten prägt, setzte nicht nur auf sicheren Schönklang, sondern auch auf eine Lesart, die Durchhörbarkeit, stilistische Disziplin und innere Spannung verlangte. Gerade darin lag die besondere Qualität dieses Abends.
Gelungene Gratwanderung
Schon Johann Sebastian Bachs Kantate „Nimm, was dein ist und gehe hin“ BWV 144 stellte Ensemble und Leitung vor ihre erste Bewährungsprobe. Der Eingangschor ist kein Satz, der sich durch bloße Klangfülle behauptet. Seine motettenartige, kontrapunktisch eng geführte Anlage verlangt vielmehr, dass jede Stimme Eigenständigkeit wahrt und sich zugleich in den Gesamtfluss einfügt. Dabei geraten auch gute Chöre leicht ins Ungleichgewicht: Wird der Satz zu schwer genommen, verliert er an Durchhörbarkeit; wird er zu beweglich musiziert, büßt er innere Spannung ein. In Attel gelang diese Gratwanderung überzeugend.
Die eigentliche Leistung lag dabei weniger im bloß sauberen Singen als in der kontrollierten Balance der Stimmen. Vor allem die Mittelstimmen waren mit hörbarer Sorgfalt geführt. In den imitatorisch verdichteten Abschnitten drohte der Satz im Kirchenraum zwar stellenweise leicht kompakt zu werden, doch gerade hier bewährte sich die disziplinierte Konsonantenbehandlung des Chores, die dem Text Kontur gab und klangliche Unschärfen verhinderte.
Theologische Schärfe gewann die Kantate vor allem in der Alt-Arie „Murre nicht, lieber Christ, wenn was nicht nach Wunsch geschicht“. Darin klang jene Aufforderung zum Vertrauen auf Gottes Willen auf, die den Beginn der Karwoche geistlich markiert. Die Solistinnen suchten im Fortgang der Kantate keine demonstrative Affektrhetorik, sondern entwickelten ihre Linien aus dem Sprachduktus heraus. Das war musikalisch überzeugend, weil es dem Werk jene Verbindung aus Strenge und innerer Bewegung ließ, die Bach braucht.
Die Motetten von Karl Jenkins bildeten dramaturgisch einen stimmig gesetzten, interpretatorisch aber keineswegs bequemen Mittelteil. Denn nach Bach in einen moderne Klangsprache zu wechseln, birgt immer die Gefahr eines stilistischen Bruchs. Unter Dirigentin Angelica Heder-Loosli fand der Wasserburger Bach-Chor hier eine bemerkenswert sichere Mitte. Der Klang wurde runder und gebundener, ohne unpräzise zu werden; die Dynamik atmete freier.
Momente stiller Intensität
Besonders heikel waren jene Stellen, in denen Jenkins seine Spannung aus harmonischen Reibungen und dicht geschichteten Akkorden gewinnt. Hier zeigte sich die Qualität des Ensembles sehr konkret: Die Intonation blieb stabil, die Dissonanzen wurden nicht ängstlich entschärft, sondern ausgehalten. Gerade das verlieh diesen Motetten ihre stille Intensität.
Das Zentrum des Abends bildete Pergolesis „Stabat Mater“ in der vierstimmigen Fassung von Desmond Ratcliffe – und hier lag zugleich die interpretatorisch größte Herausforderung. Denn dieses Werk verführt leicht zu einer Süße, die aus Andacht Rührung und aus Schmerz Sentimentalität macht. Genau diese Gefahr war spürbar, wurde aber gerade deshalb so überzeugend abgewehrt. Heder-Loosli hielt Solistinnen, Chor und Instrumentalisten zu einer Lesart an, die nicht auf vordergründige Wirkung zielte, sondern auf kontrollierte Expressivität. Damit traf sie den Kern des Werks sehr genau.
Priska Eser führte die Sopranpartie mit hell fokussiertem, schlankem Ton und sicherer Höhe. Ihre eigentliche Stärke lag darin, die Linie auch dort gespannt zu halten, wo Pergolesis Kantilenen leicht ins bloß Gefällige kippen können. Kerstin Rosenfeldt setzte dazu einen warm grundierten Alt, der dem Werk Halt und farbliche Tiefe gab. Besonders deutlich zeigte sich die Qualität beider Sängerinnen in den Duett-Sätzen.
Das Bach-Collegium Wasserburg begleitete mit stilistischer Wachheit und wohltuender Zurückhaltung. Marija Hackl setzte an der Violine mit flexibel modelliertem Ton und sensibler Phrasierung feine expressive Akzente. Thomas Pfeiffer gab dem Continuo an der Orgel ruhige Stabilität.
Eine besondere Leistung Angelica Heder-Looslis bestand darin, die Verschiedenheit der drei Klangwelten nicht zu glätten, sondern produktiv zu machen. Bach wurde nicht monumentalisiert, Jenkins nicht weichgezeichnet, Pergolesi nicht opernhaft überhöht.
Zugleich entfaltete die Werkfolge gerade für den Beginn der Karwoche eine eindrucksvolle theologische Stimmigkeit: Bachs Kantate führt aus menschlicher Unruhe zur Annahme des göttlichen Willens, Jenkins öffnet einen Raum der Sammlung, und Pergolesis „Stabat Mater“ richtet den Blick auf das Mitleiden unter dem Kreuz. So wurde das Programm selbst zu einer geistlichen Dramaturgie dieses Tages.


